Ottensen
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Ottensen ist ein Stadtteil Hamburgs im Bezirk Altona.
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[Bearbeiten] Namensgebung
Der Name Ottensen leitet sich der Sage nach vom Ritter Otto von Bahren ab und bezeichnet den Ort, an dem sein Hof lag: wo Otto huste (mittelplattdeutsch für hausen) = Ottenhusen. Die Namen der Nachbarstadtteile Bahrenfeld und Othmarschen sollen sich ebenfalls von Otto von Bahren ableiten.
[Bearbeiten] Lebenslauf eines Ottenser Bürgers, Hans-H.Ploen
Eine Kindheit in der Helmholtzstraße (Ottensen)
Ich war das, was man einen "Stubenhocker" nannte. Statt in den umgebenden Grünanlagen mit anderen Kindern zu spielen war es mir lieber, mit meinen Bilderbüchern und später den Märchenbüchern und "Heldensagen" mich in irgendeine Ecke der Wohnung zu verziehen. Die Spielplätze mit Sandkästen und Sitzbänken, die sich in den Hofanlagen der Nachbarhäuser befanden, gehörten nicht zu der "Baugenossenschaft der Eisenbahner" bei welcher wir unsere Wohnung hatten, sondern zur "SAGA", der "Siedlungs-Aktiengesellschaft Altona". Und diese relativ gut ausgestatteten Spielplätze auf den rückwärtigen Flächen der SAGA waren von unserer parzellierten Hofanlage durch eine kräftige Mauer getrennt. Wollten aber wir Nicht-Saga-Kinder uns an den Spielen dort beteiligen, so konnte es schon zu Konflikten kommen, die auch mal in kindliche Prügeleien ausarteten. Wenn dann auch noch die SAGA-Mütter aus den Fenstern riefen: "haut ab, ihr wohnt hier gar nicht", dann war für mich meistens die Grenze des Erträglichen erreicht. Meine Konfliktbereitschaft war – und ist – eben begrenzt. Da war mein Bruder ein ganz anderer Typ. Er schaffte es sogar, Anführer einer Gruppe von SAGA-Kindern zu werden.
Überhaupt unterschieden sich die Bewohner der Häuser der "Eisenbahner" von denen der SAGA durch eine deutlich hierarchische Struktur. Während in den Saga-Häusern alle Berufsgruppen vertreten waren, vom ungelernten Arbeiter über den Handwerker bis zum "Kragenträger", bewohnten unsere Häuser ausschließlich Eisenbahner – bis auf eine Ausnahme. Bei einem Eisenbahner wusste man immer, wen man vor sich hatte. Da stand ganz oben in der Hierarchie der Lok-Führer. Und dann ging’s bergab: über den Zugführer und Schaffner, den Heizer, den Bremser und den Rangierarbeiter bis zum Helfer bei der Güterabfertigung. Und alle trugen sie blanke Knöpfe an ihrer Uniform und demonstrierten damit Macht und Selbstbewusstsein. Dies hierarchische Bewusstsein war natürlich ebenso in den Köpfen der Ehefrauen vorhanden, was allerdings nicht ausschloss, dass Frau Lokführer auch einmal im Treppenhaus ein Schwätzen mit der Frau Schaffner führte. Und zwischen dieser schönen Ordnung befand sich plötzlich eine Familie, die nicht einzuordnen war: ein Nicht-Eisenbahner ohne Rang und blanke Knöpfe. Justizangestellter: was war das eigentlich? Herr Ploen arbeitete beim Gericht, und dort gab es Richter. Aber das war er nicht, das hatte man schon bald herausbekommen. Man musste ihn doch irgendwie einordnen in die Haus-Hierarchie. Und so fragte eines Tages eine allzu neugierige Nachbarin meine Mutter: "was verdient Ihr Mann eigentlich so beim Gericht?". Und meine Mutter antwortete absolut wahrheitsgemäß und ungeniert: "Das weiß ich nicht." Denn mein Vater hatte beschlossen, dass so etwas eine Frau grundsätzlich nichts angeht. Er war der Meinung, dass es vollkommen ausreichend sei, der Hausfrau jeweils das erforderliche Haushaltsgeld zu geben, alles Weitere führe nur zu unnötigen Vergleichen der geschwätzigen Frauen untereinander.
So ganz Unrecht wird er damit nicht gehabt haben. Aber so ganz ausreichend ist das Haushaltsgeld offenbar auch nicht immer gewesen. Als Staats-Angestellter bekam mein Vater sein Gehalt jeweils am 15. des Monats. Großmutter dagegen war Beamtenwitwe und erhielt ihre – sicher sehr spärliche – Pension am 1. jeden Monats. Und das hatte den Vorteil, dass Mutter und Tochter einander aushelfen konnten, wenn das Geld mal wieder nicht bis zum nächsten Zahltermin reichte. Das durfte Vater natürlich nicht erfahren. Uns Kindern blieb das nicht verborgen, aber wir wurden zum Stillschweigen verdonnert. Hin und wieder wurde ich zum Krämer geschickt, um etwas einzukaufen. Dabei machte ich die Entdeckung, dass einige Frauen einkaufen konnten, ohne dass sie bezahlen mussten. Der Kaufmann schrieb nur etwas in ein großes Buch, und dann konnten sie ihren Einkauf nach Hause tragen. „Anschreiben“ nannte man das. Ich schlug meiner Mutter vor, von dieser Möglichkeit auch Gebrauch zu machen. Mutter war entsetzt und klärte mich postwendend über die Verwerflichkeit des Schuldenmachens auf. Dabei erzählte sie mir ganz im Vertrauen, dass eine Nachbarin, - sogar Ehefrau eines Zugführers, also nicht eben niedrigen Standes, - bei der DEFAKA zu kaufen pflegte. Das war ein Kaufhaus in Hamburg, bei dem man auf Raten kaufen konnte. Ob die Nachbarin davon Gebrauch gemacht oder doch lieber ihre Einkäufe bar bezahlt hat, habe ich nicht heraus bekommen. Meiner Mutter jedenfalls galt schon der Besuch eines solchen Kaufhauses als anrüchig.
(Aus dem Lebenslauf eines Ottenser Bürgers, Hans-H.Ploen)

