Kontorhausviertel

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Mit Kontorhausviertel wird ein historischer Komplex von Bürogebäuden in der Hamburger Innenstadt bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Lage

Die berühmtesten Kontorhäuser wie z.B. das Chilehaus oder der Sprinkenhof liegen alle dicht beieinander in der Altstadt. Sie sind auch Thema einer öffentlichen Stadtrundführung des Vereins Stattreisen Hamburg e.V.. Der Blick z.B. von St. Nikolai in Richtung Rathaus zeigt rechts davon gut die zahlreichen Gebäude mit ihren braunen Klinkerfassaden, hinter denen sich ein Stahlbetonbau verbirgt und mit den vielen, kleinen Fenstern. Dieser Anblick ist typisch für die Hamburger Bauten.

Von oben kann man auch gut erkennen, wie diese Bauten ein eigenes Viertel bilden, historisch als Schaltzentrale der Hamburger Kaufleute bewußt zentral angesiedelt zwischen dem Rathaus und der Speicherstadt. Dieses Viertel findet man zwischen der Steinstraße als nördlicher und der Willy-Brandt-Straße als südlicher Begrenzung mit dem Burchardplatz als Zentrum. Im Westen wird es begrenzt durch die Brandstwiete, im Osten durch den Klosterwall.

[Bearbeiten] Kontorhaus

Kontorhäuser sind Bürohäuser, die Anfang des letzten Jahrhunderts in der boomenden Hafen- und Dienstleistungsmetropole Hamburg entstanden. Der Begriff "Kontor" kommt aus dem Französischen für contoire = zählen. Die Kontorhäuser zeichnen sich alle durch bestimmte Merkmale aus: Lange Gänge mit den Büros, die den Bedürfnissen der Mieter angepasst werden konnten, einem Lichthof und ausgestattet mit einem oder mehreren Paternostern (einige dieser Fahrstühle sind noch im Betrieb) sowie kunstvolle Fassaden meist in Backsteinbebauung. Angestellter in so einem Kontor zu sein, war in den zwanziger und dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts ein begehrter Beruf.

[Bearbeiten] Gebäude

Zum Kontorhausviertel gehören drei Gebäudekomplexe: der Sprinkenhof, der Meßberghof und das Chilehaus. Seit 1983 steht der gesamte Gebäudekomplex der unter dem Bebauungsplan Fritz Schumachers entstandenen geschlossenen Bebauung unter Denkmalschutz. Folgende Einzelgebäude sind in dem Quartier zu finden:

Große Reichenstraße 27 , 20457 Hamburg
Willy-Brandt-Straße in Höhe Brandstwiete neben der Brauerei Gröninger
zwischen Depenau, Burchardstraße und Pumpen (Spitze) mit der Fischertwiete als Zentrum
Trostbrücke 1
Curienstraße 8, Kattrepel, Schopenstehl 15
zwischen Meßberg und Deichtorplatz sowie zwischen Pumpen und Willy-Brandt-Straße
zwischen Burchardplatz und Johanniswall sowie zwischen Altstädter Straße und Burchardstraße

Das erste Kontorhaus in Deutschland, der Dovenhof existiert leider nicht mehr. Er wurde abgerissen und an seiner Stelle das Spiegel-Hochhaus errichtet.

Das jüngste Kontorhaus im Viertel befindet sich in der Burchardstraße 19, 21. Es wurde 1954/55 errichtet und steht seit dem Jahr 2000 unter Denkmalschutz.

Auch in den modernen Bürobauten in der Innenstadt lebt die Tradition der expressionistischen Kontorhausbauten zum Teil weiter. Sehenswert ist hier der Neue Dovenhof, Brandstwiete 1, mit einem riesigen überdachten Innenhof, einer Kunstausstellung mit Werken von Lothar Fischer und modernen Glasliften, wo man von oben einen wunderbaren Blick über das Kontorhausviertel hat.

[Bearbeiten] Interessengemeinschaft Kontorhausviertel

Die Kontorhäuser wurden aufwendig renoviert und saniert und stellen auch heute noch begehrte Geschäftsadressen dar. Auch für Touristen bieten sie einen interessanten Einblick in die Hamburger Geschichte. Man kann sie jedoch nicht am Wochenende besichtigen, da steht man vor verschlossenen Türen. Ein Besuch an Werktagen ist aber immer möglich, da sie i.d.R. öffentlich zugänglich sind.

Zur Imagepflege und zur Belebung des Viertels hat sich im Jahr 2005 eine Interessengemeinschaft "IG Kontorhausviertel e.V." aus im Quartier ansässigen Firmen gegründet. Sie geben das kostenlose Kontorhaus-Journal heraus, erstmals im Oktober 2005. Die zweite Ausgabe erschien im August 2006 in einer Auflage von rd. 10.000 Stück. Vorsitzender der IG ist Axel Friederici, ein erfolgreicher Hamburger Wirtschaftsanwalt. Sein Büro befindet sich im Chilehaus. Die Vereinigung fordert einen Wochenmarkt, viel Kultur und mehr neue Wohnungen im Quartier. Ein Beispiel für eine Symbiose von Arbeiten und Leben ist der After-Work-Club im Chilehaus, der jeden Donnerstag stattfindet.

[Bearbeiten] Zukunft und Perspektiven

Nach einem Vorschlag der Handelskammer Hamburg soll das Gebiet künftig Fleetviertel heißen. Ein Problem in diesem Viertel ist, dass dort nur noch ca. 1.600 Menschen wohnen (Stand 2006). Das bedeutet, das es außer Büros kaum eine Infrastruktur mit Einzelhandelsgeschäften etc. gibt. Auf der vergeblichen Suche nach einer Sparkassenfiliale kann man sich die Füße wund laufen, um am Ende doch in der City an der Mönckebergstraße zu landen. Es besteht auch die Gefahr, dass aus der alten City rund um das Rathaus und der neuen HafenCity an der Elbe zwei konkurrierende Innenstädte werden und das dazwischen liegende Fleetviertel dabei untergeht. Unter dem Motto "Ein Quartier wird zum Scharnier" widmet sich die Handelskammer Hamburg deshalb verstärkt diesem Problem, das auch Schwerpunkt des letzten Kontorhaus-Journals (s.o.) ist.

[Bearbeiten] siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

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